Regalprüfung nach ÖNORM EN 15635: Zweck und Bedeutung
Regale in Lagern sind zentrale Betriebsmittel und tragen hohe Lasten. Die ÖNORM EN 15635 beschreibt Anforderungen für die Nutzung, Überwachung und Inspektion von Regalsystemen, um Stabilität und Arbeitssicherheit zu gewährleisten. Für Unternehmen in Österreich bedeutet dies: geeignete Prüfungen, Dokumentation und organisatorische Maßnahmen sicherstellen, damit Personen- und Sachschäden vermieden werden.
Wofür sind Regalprüfungen notwendig?
Der Zweck von Regalprüfungen ist mehrgliedrig:
- Sicherstellung der Stabilität und Tragfähigkeit unter realen Betriebsbedingungen;
- Früherkennung von Beschädigungen, Korrosion und Montagefehlern;
- Vermeidung von Unfällen durch kollabierende Regalsysteme oder herabfallende Ladung;
- Nachweis der ordnungsgemäßen Prüfung und Instandhaltung gegenüber internen und externen Stellen.
Typische Schäden und Schwachstellen
In der Praxis treten wiederholt ähnliche Schadensbilder auf, die das Tragverhalten von Regalen negativ beeinflussen:
- Verformte Traversen oder Pfosten nach Anfahrunfällen mit Staplern;
- Beschädigte Verbindungen, verschobene oder fehlende Sicherungsteile (z. B. Sicherungsstifte);
- Korrosionsschäden an Verbindungselementen und Tragteilen, besonders in feuchten Umgebungen;
- Beschädigte Bodenverankerungen oder Hebungen im Betonfundament;
- Unzulässige Veränderungen an der Konstruktion (Eigenumbauten, nicht dokumentierte Modifikationen);
- Überlastungen durch nicht beachtete Traglastangaben, unsachgemäße Lagerung von Paletten;
- Punktlasten durch beschädigte oder deformierte Paletten.
Organisatorische Verantwortlichkeiten in österreichischen Betrieben
Die Verantwortung für die Sicherheit von Regalen liegt nicht ausschließlich bei einzelnen Mitarbeitenden. Entscheidend sind klare organisatorische Zuständigkeiten:
- Geschäftsführung / Betriebsleitung: Trägt die Gesamtverantwortung für Arbeitssicherheit und hat die Pflicht, sichere Arbeitsbedingungen zu schaffen und finanzielle sowie personelle Mittel bereitzustellen.
- Lager- / Betriebsleiter: Verantwortlich für Umsetzung betrieblicher Maßnahmen, Organisation der Prüfungen, Durchsetzung von Verkehrsregeln und Ladungssicherung im Lager.
- Sicherheitsfachkraft und Sicherheitsvertrauenspersonen: Beratung, Risikoeinschätzung, Erstellung von Prüfplänen und Begleitung von Prüfungen.
- Kompetente Prüfperson (intern oder extern): Durchführung der technischen Inspektionen, Bewertung von Schäden und Formulierung von Maßnahmen zur Instandsetzung.
- Mitarbeitende: Tägliche Sichtkontrollen durchführen, Schäden melden und Grundregeln der Ladungssicherung einhalten.
Praktisches Vorgehen: Organisation der Prüfungen
- Erstellen Sie ein schriftliches Prüfkonzept, das Zuständigkeiten, Prüfarten (z. B. Sichtprüfung, detaillierte Inspektion) und Dokumentationsanforderungen beschreibt.
- Orientieren Sie sich bei der Prüfplanung an Herstellerangaben, Betriebsbedingungen und Risikobeurteilung; legen Sie dann angemessene Intervalle fest.
- Führen Sie nach jeder Beschädigung, Umbau oder stärkeren Belastung eine außerplanmäßige Prüfung durch.
- Sorgen Sie für eine lückenlose Dokumentation: Prüfberichte, Fotos, Maßnahmenpläne und Bestätigungen über durchgeführte Reparaturen.
- Weisen Sie regelmäßig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Verhaltensregeln hin (z. B. sichere Fahrweise, Abstand zu Regalen, keine improvisierten Veränderungen).
Konkrete Maßnahmen bei festgestellten Schäden
- Bei sicherheitsrelevanten Schäden: sofortige Markierung des betroffenen Bereichs und Sperrung der Nutzung bis zur fachgerechten Bewertung.
- Lastreduktion oder vollständiges Entladen betroffener Felder, wenn Unklarheit über die Tragfähigkeit besteht.
- Dokumentierte Beauftragung von qualifizierten Instandsetzern oder Hersteller-reparaturen; Ersatz beschädigter Bauteile nur durch passende Original- oder freigegebene Komponenten.
- Prüfung angrenzender Felder auf Folgeschäden, insbesondere nach Anfahrschäden.
- Einführung technischer Schutzmaßnahmen wie Anfahrschutz, Pfostenverkleidungen oder Verkehrsleitsysteme, um Wiederholungen zu verhindern.
Prüfungsdokumentation und Nachweisführung
Eine ordnungsgemäße Dokumentation ist für die interne Nachverfolgung und für Außenstehende (z. B. Versicherungen, Behörden) wichtig. Wichtige Elemente sind:
- Prüfberichte mit Prüfergebnis, Fotos und Handlungsempfehlungen;
- Angaben zur verantwortlichen Prüfperson und Datum der Prüfung;
- Reparatur- und Wartungsnachweise inklusive verwendeter Ersatzteile;
- Schulungs- und Unterweisungsnachweise für Mitarbeitende im Lagerbereich.
Praxisbeispiel: Checkliste für die Sichtprüfung durch Mitarbeitende
- Sind Traversen oder Pfosten sichtbar verformt?
- Fehlen Sicherungsstifte oder Verbindungselemente?
- Gibt es Anzeichen von Korrosion an tragenden Teilen?
- Sind Bodenbefestigungen sichtbar beschädigt oder verschoben?
- Sind Paletten intakt oder verursachen sie Punktlasten?
- Gibt es Lagerung außerhalb der gekennzeichneten Lastgrenzen?
Fazit und nächste Schritte
Regalprüfungen nach ÖNORM EN 15635 sind ein zentraler Baustein zur Vermeidung von Betriebsunfällen und Sachschäden. Entscheidend ist ein systematisches Vorgehen: klare Zuständigkeiten, regelmäßige Sicht- und Detailprüfungen, lückenhafte Dokumentation und schnelle, fachgerechte Instandsetzung bei Schäden. Unternehmen sollten Prüffristen und Maßnahmen an Herstellerangaben, Betriebsbedingungen und der eigenen Risikoeinschätzung ausrichten.
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